Versuch einer Annäherung
Reinkarnation in Religion und Mythos
Spricht man über Reinkarnation ist es sinnvoll als erstes den Begriff zu klären. Was bedeutet Reinkarnation?
Reinkarnation - das Wort kommt aus dem Lateinischen - bedeutet Wiederfleischwerdung, und es beschreibt die Vorstellung, daß eine Seele nach dem Ableben des Körpers, also nach dem Tode, die fleischliche Hülle verlässt um irgendwann wiedergeboren zu werden. Geht es um Reinkarnation, Wiedergeburt und Seelenwanderung ist also gleichzeitig auch immer der Gedanke an ein Fortbestehen, an ein Leben nach dem Tode dabei.
Eine Seele inkarniert, bestreitet eine kurze oder lange Lebenszeit als sichtbares Wesen, um im Tode wiederum zu exkarnieren. Was bedeutet, den verstorbenen Körper zu verlassen. Eine Vorstellung welche nicht nur in den dafür bekannten asiatischen Religionen Hinduismus und Buddhismus verbreitet ist. Sondern die auch in den Glaubensrichtungen der Antike zu finden war. Und noch heute in animistischen Religionen wie Shinto und in heidnischen Glaubensrichtungen, wie der immer noch existierenden und gerade in den letzten Jahrzehnten wiederbelebten, keltischen Naturreligion des Inselreiches Großbritanniens, praktiziert wird. Auch in gnostischen (Gnosis=Erkenntnis) Gruppierungen des Christentums, und in der jüdischen Kaballa gibt es den Glauben an Reinkarnation.
Wiedergeburt und Seelenwanderung. Reinkarnationglaube ist demnach nicht nur auf polytheistische Religionen (Religionen mit mehreren Göttern) beschränkt sondern es gab und gibt immer wieder Gruppierungen der monotheistischen Religionen (ein Gott -Religionen) welche an die Wiedergeburt glauben. Und natürlich hat der Gedanke an Reinkarnation schon vor langer Zeit Eingang in die Philosophie gefunden. Denn bereits 600 v. Chr. lehrten die Griechen Pythagoras und Platon, daß die unsterbliche Seele in eine neue Daseinsform inkarniert, welche auch die Tierwelt oder die Pflanzenwelt umfaßt. Pythagoras scheint der erste gewesen zu sein, der diese Lehren in Griechenland einführte, während die Lehre von Reinkarnation und Karma im Hinduismus sich aus dem Vedischen entwickelte, und Wiedergeburt und Seelenwanderung als Ursache-Wirkung Prinzip beschreibt. Ein Prinzip welches nur dann durchbrochen werden kann, wenn man sich durch Loslassen der irdischen Begierden der höchsten Wahrheit nähert. Dieses Ursache-Wirkungsprinzip ist ebenso im Buddhismus zu finden. Von Siddhartha Gautama um 560 v. Chr. begründet, besteht der größte Unterschied zwischen Hinduismus und Buddhismus darin, daß es im Buddhismus kein Kastensystem gibt und das ein überaus wichtiger Gedanke jener ist, eigenverantwortlich und in Verständnis und Liebe für die Mitwelt durch das jeweilige Leben zu gehen. Denn nur dadurch ist gutes Karma für die nächsten Leben zu schaffen.
Doch war und ist dieser mystische Gedanke nicht überall auf der Welt gerne gesehen. So wurden die an Wiedergeburt glaubenden Gnostiker, welche ihre Überlieferungen meist im Geheimen weitergaben seit 180 nach Chr. unter Irenäus von Lyon, in seinem Werk "Adversus haereses - gegen die Irrlehre" von der Kirche, sehr kritisch betrachtet. Wenngleich Origenes von Alexandrien (185 bis 254) , ein bedeutender Kirchenlehrer, erklärte daß die Seele schon vor der Entstehung der materiellen Welt vorhanden war:
Wir sind gebunden, stets neue und stets bessere Lebensläufe zu führen, sei es aufErden, sei es in anderen Welten. Unsere Hingabe an Gott, die uns von allem Übel reinigt, bedeutet das Ende unserere Wiedergeburt"
(Zürrer, Ronald: Reinkarnation. Einführung in die Wissenschaft der Seelenwanderung. Zürich/Jestetten, 2005).
Der Sinn des Lebens bestand für Origenes demnach darin, das sich die Seele durch viele Inkarnationen läutert, damit sie wieder in die Gemeinschaft Gottes gelangen kann. Doch dieses Dogma des Kirchenlehrers hatte nur kurzen Bestand. Viele seiner Handschriften wurden verbrannt, bis Kaiser Konstantin im 4. J.H., jegliche Hinweise auf Seelenwanderung endgültig aus der christlichen Lehre tilgte und die Grundlage der heutigen, christlichen Kirche das Kirchendogma entstand, welches bis heute andauert, wie Papst Johannes-Paul II in einem Schreiben zum Jahr 2000 verlauten liess:
Die christliche Offenbarung schließt Reinkarnation aus und spricht von einer Vollendung, die im Laufe eines einzigen Erdendaseins zu verwirklichen der Mensch berufen ist." (Johannes Paul II.: Tertio Millenio Adveniente)
Ein großer Unterschied also zu den Naturreligionen, in denen die Geister der Ahnen als Wesenheiten, Menschen, Tiere, Pflanzen oder in in Gegenständen ins irdische Leben zurückkehren und jederzeit Einfluß nehmen können auf das Leben ihrer Nachfahren. Der Gläubige tut gut daran den Wesen oder Gegenständen in denen die Ahnen inkarnieren, entsprechend zu huldigen.
Das Rad des Lebens drehte sich demnach in allen Gegenden der Erde und es dreht sich noch heute. Und wenn wir einen Blick auf unser hiesigen Mythen, Märchen und Sagen tun, müssen wir nicht in die Ferne schweifen um zu erfahren, daß die Seelenwanderung auch in unseren Breitengraden immer wieder ein Thema war und ist. In Mythen und Märchen stirbt der arme Mensch um hernach königlich zu inkarnieren (Schneewittchen). Der Frosch wird zum Prinzen, wohl der, die es rechtzeitig erkennt (Der Froschkönig). Und nach 100 Jahren erwacht das entschlafene Kind. Um in zweiten Anlauf endlich glücklich zu werden (Dornröschen).
© by gisela pothin-wulf
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